Freitag, 18. Februar 2011

Die Überwindung des Kapitalismus leicht gemacht, auch anhand von Ansätzen dazu von W. F. Haug, Marx, Fromm, Brecht und anderen

Vorwort von Erich Fromm:

„Unsere Konsum- und Marktwirtschaft beruht auf der Idee, dass man Glück kaufen kann, wie man alles kaufen kann. Und wenn man kein Geld bezahlen muss für etwas, dann kann es einen auch nicht glücklich machen. Dass Glück aber etwas ganz anderes ist, was nur aus der eigenen Anstrengung, aus dem Innern kommt und überhaupt kein Geld kostet, dass Glück das "Billigste" ist, was es auf der Welt gibt, das ist den Menschen noch nicht aufgegangen.“

Warenberge sind wie die Wolkenkratzer ein Symbol der aufgetürmten und zerstörerischen Lebensverhältnisse, die alle Menschen überragen und sie erdrücken

Wenn diese, aktuell herrschenden Gesellschafts- und Lebensverhältnisse nicht möglichst rasch, ge-ver-andert und gemaßigt werden, wird die gesamte westliche Kultur eventuell ebenso in sich zusammenstürzen, wie die am 9.11.2001 zusammengestürzten Türme des
WORLD TRADE CENTERS! Der Untergang dieser „unserer“ Kultur hat sich dadurch sichtbar für alle bereits angekündigt und dagegen von innen heraus planlos anzugehen ist sinnlos, das dieser unnötige Kampf alle notwendigen Ressourcen, die nach der Überwindung dieses Wirtschafts-Systems wichtig und dafür zu bewahren wären, nur sinnlos weiter vergeudte und aufgebraucht würden.

Menschen glauben allgemein daran, das ihr Leben nur noch in einer durch Warenangebot verhübschten, dadurch erträglich und Lebenswert gemachten Welt wertvoll sei, die mit jenen Waren inszeniert, wie jene die uns derzeitig umgibt.
Und angeblich besser, gesünder, heilsamer und erfüllter ihr Leben und Sein darin, anders nicht sein könnte.
Da sie selber darin, in diesem System der leeren Warenverprechungen, den Menschen äusseren Warenwerten, und einem darauf aufgebauter Kapitalismus, sich darin selber verlieren, fällt ihnen kaum noch auf. Zu einem einseitig, an „profit over people“ (N. Chomsky) orientierten Wirtschaftssystem, in dem Menschen immer mehr in ihrer Person und Lebendigkeit amputiert werden, gilt in einer heute affirmativ gewordenen Kultur, die nur auf Warenaustausch und dem Erzeugen dieser Waren aufgebaut ist, gibt es kaum nennenswerte Alternativen.

Doch was sagen Marx, Fromm, Haug, u.a. dazu und wir selber, wenn wir es bisweilen doch noch bemerken, das etwas gewaltig nicht daran stimmt?
Wir jagen im Prinzip nur Versprechungen hinterher, die im Warenkonsum, in dessen Hilfestellung, nie erfüllt werden können und sollen.
Und so entstand über mehr als hundert Jahren eine an Überproduktion und Auslieferung der Menschen im Westen orientierte, Waren produzierende Arbeitswelt, die nie zur Ruhe kommen darf, da angeblich wichtige und erzeugte Bedürfnisse, die als Handelswaren darin produziert werden, ebenso stetig anwachsen „müssen“.
Das schönste und modernste Auto wird irgendwann alt und muss ersetzt werden, das schönste elektronische Spielzeug ist irgendwann veraltet, kann unsere Bedürfnisse nicht mehr befriedigen, die farbigste, wunderbar passende, noch vor kurzem angepriesene Kleidung entspricht doch nicht unserem inneren Wesen (obwohl die Werbung es doch versprochen hatte) und kann uns daher nicht erfüllen und muss durch eine neuen Modekollektion ersetzt werden.

Unser "Bedürfnisse" werden im Waren-Kapitalismus zum Bedarf und damit angeheizt, sind jedoch grundsätzlich in dieser Systemform unerfüllbar gehalten und können darin grundsätzlich nie befriedigt werden.
Die permanente Auslieferung an  verkommerzialisierte Warenstrukturen und der Versuch darin, im Kauf und Tausch der in Arbeit verausgabten Lebenszeit gegen Geld, Glück zu erlangen, führt zumeist in die entgegen gesetzte Richtung, dieses Verhalten erzeugt Frust ob der Enttäuschungen durch viele unnötige Produkte, die kurzzeitig blenden aber keine dauerhafte und tiefere Befriedigung erzeugen und vermitteln können.
Denn wenn unsere Bedürfnisse durch Warenproduktion nachhaltig und hinreichend befriedigt würden, hätte die Erzeugung von Gebrauchswert für uns alle ein Ziel erreicht und der darauf aufgebaute Kapitalismus ein schnelles, relatives Ende gefunden. (W.F. Haug) Es würden danach erheblich weniger Waren und Tauschwert erzeugt oder höchstens Bestehendes erneuert oder repariert. In der Konsequenz daraus, wäre der Verwertungskapitalismus und sein Zwang zur Überproduktion, eigentlich recht schnell überwunden, da die meisten Bedürfnisse in ihm befriedigt würden.

(George Bush: "But what can we do, when people don‘t shop?")

Wir laufen jedoch permanent, auch durch Bedarfs erzeugende, hungrig machende Werbung mit-erzeugten, immer währenden, wahnhaft vermittelten Schein-Versprechungen der Warenwelt ins Unendliche hinterher, wie der Esel einer Rübe die ihm am Strick vorgehalten wird. Nur sind leider die Ressourcen, die an der Basis dieser scheinbar glückselig machende Warenwelt stehen und sie mit-erzeugen helfen, ebenso wenig unendlich, wie die ins Unglaubliche gerückte Erfüllung unserer Bedürfnisse darin.
Aber das ist nur ein andere, ebenso wichtiger Punkt.

Grundsätzlich stehen sich zwei Haltungen diametral gegenüber, die sich gegenseitig bedingen.
Auf der einen Seite die mächtigen Produzenten von Tauschwert der Waren, die jenen benötigen um immer weitere Produktion und Kapitalverwertung daraus abgleitet zu betreiben, da ihnen nur dieses Verfahren den klassischen Gewinn bringt und Profit erzeugt. Auf der anderen Seite: stehen die gewöhnlichen Mensch zu "Konsument"- Ver-brauchern dieser Waren umgepolt, Waren die von ihnen nur in ihrem Gebrauchswert benötigt werden, um ihre grundsätzliche Bedürfnisse dadurch zu befriedigen.

Nur, wie schon Brecht bemerkt hatte (und von WF Haug schon 1971 zitiert), amputiert sich der Mensch seiner persönlichen Kraft und Lebendigkeit und Lebens-Freude, um so mehr er auf äußere Waren und Produkte angewiesen ist.
Je weniger er selber leisten kann, aber sich dazu kaufen muss, desto weniger kann er selber kreativ und bewusst erzeugen und sich darin als tätiges Wesen wiederfinden
Die meisten Waren werden durch die austauschbaren Bequemlichkeiten, die sie uns versprechen, zur Krücke und Prothese für uns, ohne die wir nicht mehr fähig sind, uns fort zu bewegen und zu über-leben.
Dies ist gezielte Entfremdung und Entmenschlichung in hoher Potenz.
Denn der Mensch ist mit deutlich weniger an äusseren Waren zur angemessenen Selbstversorgung und Selbstverwaltung fähig, die er notwendig zum Sein benötigt, als aktuell „angeboten“ wird, um sich konkret als Mensch und tätiges Wesen zu er-leben.
Er lebt eher darin, in einer kreativen, produktiven und selbstbestimmten Tätigkeit, als in dem äusseren Waren-Zirkus, der ihm heute immer noch als Ersatz für ein anderes, selbst-bestimmtes Leben von aussen "angeboten" und aufgenötigt wird. In dieser aufgezwungenen, ihm fremden, äusseren durch Medien als ideales Leben vermittelten Teilnahmen als Konsument an der Waren-Produktion darf er nur noch "sein". In einer Welt, in der er sich nur noch als „wertvoll“ und würdig in "Lohn-Arbeit" erkennt, der er sich in unfreier Mit-Erzeugung von immensen Warenbergen in Zwangsarbeit und Konsum unterordnen darf.

Wozu benötigen wir Automobile, all diese maschinell betriebenen Fahrzeuge (850 Mio. derzeit auf der Welt)? Um dorthin zu gelangen, wo wir vorher noch nie gewesen sind, um zu schauen ob es uns dort besser gehen könnte? Weil es uns meist am Ort unserer Wohnung, in unserem Lebensverhältnissen nicht gefällt, dieser Ort uns nicht entspricht, weil wir dort unausgefüllter sind, dort nicht unsere Bedürfnisse befriedigt werden?. Weil wir in bisweilen grauenvollen Umgebungen und Verhältnissen, wie in Schuhschachteln eingezwängt wohnen, leben und uns erzählt wird, das wir permanent etwas anderes „er-leben“ müssen, weil wir doch trotzdem Leben "erfahren" wollen, nur nicht bei uns und in uns, da wir doch noch entfernt menschliche Wesen sind und keine abgestumpften Zoo-Insassen!?
Peter Sloterdijk verdanken wirdei nennenswerte Einsicht in das Wesen und die Lage der Menschen, die er 2001 mit dem "Menschnpark" umschrieben hat.

Wir laufen ruhelos umher und lassen uns dabei gerne, da unsere produktiven Kräfte von entfremdter Lohn-Arbeit aufgesogen wurden, von Produktversprechungen verführen, da wir nicht mehr nur einfach in uns ruhen können und uns als Wesennicht mehr in dieser Welt geborgen fühlen. Überall in der Konsumwelt sind ähnliche Strukturen anzutreffen, wir werden weiter entmündigt und unbefriedigt gehalten, damit die kapitalistische Verwertungsmaschine auf ewig offen gehaltene Befriedigungsversuche der menschlichen Bedürfnisse aufspringen kann. Versprechungen, die darin nie erfüllt werden können, ein ewiger Konsumrausch beginnt, der nie beendet werden soll, so lange es einseitiges Wirtschaftswachstum geben muss und die notwendigen Ressourcen da und dort zu dessen Erhalt zusammengeraubt werden können

Und um diese Nicht Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse zu erhöhen, durch gigantische Erzeugung von profitablem Tauschwert in Warenform aufrecht zu erhalten, wird eine riesiges immer weiter anwachsendes Warenangebot erzeugt.
Die aktuelle andauernde Überakkumulation an Waren, Produkten und Schein-Werten ist allgegenwärtig, eine Menge anDingenun dObjekten, die wenn sie wirklich irgend jemand befriedigen würden, schon vor Jahrzehnten auf eine erträgliches und niedrigeres Niveau und Maß zurückgeführt werden können!
Doch diese Produktion befriedigt höchstens nur die Kapitaleigner und deren Verwerter, die daran verdienen und gleichenfalls ebenso langsam ersticken. aber um deren Interessen kümmern sich jene schon selber genügend, als das eine weitere Sozilologie des Reichtums und dessen Wirkung auf Besitzende ausgearbeitet werden müsste.
Die Überakkumulation in der Warenwelt und die nicht gelebte Befriedigung darin, ist in sich der offen-sichtliche Beweis dafür, das diese Warenerzeugung keine Befriedigung für Menschen in ihren grundsätzlichen Bedürfnissen als Lebewesen bereit stellt und zulässt. Eine Haltung die Menschen zu rasenden, immer Suchenden, in immer fortgesetztem, beschleunigtere Konsum auffordert, einer Haltung die in allen konventionellen und populären Medien unhinterfragbareinseitig mit-eingefordert wird.. Diese immensen Warenberge sind ein riesig aufgetürmtes Signal, sie sind wie Wolkenkratzer der Er- und Unter-drückung, an der alle Mensch in Auslieferung ihrer Arbeitskraft ausgeliefert sind, einem monumentalen Dogma aufgebaut und medial unablässig verkündet dem sie permaneent hinterher zu laufen haben.
Und das ist in der Quintessenz, die Grund-Message der Wachstumsversprechen, an die uns eine konventionelle, einseitige, ebenso verdummende Politik ausgeliefert hat...

Abhängige, kapitalistisch auf Verwertung abgestimmte Zwangs-Arbeit, macht nicht frei, glücklich und befreit Menschen darin nicht von ihren Ängsten und Nöten, sondern speist sie nur als kleines Zahnrad in den Kreislauf der Verwertung dieser Produktionskette mit ein, in einer für sie in dieser Dimension unnötigen, vital besehen, völlig überflüssigen Warenproduktion.
Heute werden ein Großteil der Waren und Produkte relativ kurz nach Gebrauch weggeworfen um sie durch neuere, andere Modelle zu ersetzten. Die Müllmenge steigt dadurch täglich, Ob aufwendig bedruckte Verpackungen, Elektroartikel, Automobile und sonstige Güter, ihre Lebensdauer ist im schnellen Verbrauch angelegt und nicht im langfristigen Ge-brauch derselben.

Der Mensch sollte sicherlich arbeiten, jedoch in selbst-bestimmter freier, schöpferischer, angemessener Tätigkeit, die er überblickt und die seine Sinne erfüllt und ihn nicht abstumpft und verbraucht. Also nicht in untergeordneter „Fremd-Arbeit“, in dieser von außen gelenkten Zwangs-Abhängigkeit und -Arbeit in der Erzeugung von erdrückenden Warenbergen. Denn darin führt der Mensch ein Leben, das ihn/sie/er/es zu einem jener Wesen macht, die wie im goldenen Käfig der erzeugten Bedürfnisse sitzen, sich nur noch im Laufrad darin bewegen dürfen, die nirgendwohin gelangen, an keinen Ort der seinen Bedürfnisse entsprechen oder sie befriedigen könnte, noch auf ein mögliches Ziel hin orientiert sich bewegt, das ihn aus diesen zwanghaften Verhältnissen befreien könnte.
Schlimmer und radikaler als in der derzeitigen Konsumwelt, die zudem permanent, unterschwellige Zustimmung der Menschen darin einfordert, ist kaum eine andere Zwangsdikatur mit Menschen umgegangen und hat nie so komplett mit allenverfügbarebundangewachsene technischen Mittel beflügelt, sie von ihrem grundsätzlichen Lebensinn und ihren Möglichkeiten als bewusste Wesen entfernt.

(Max Horkheimer : „Die Selbstverleugnung des Individuums in der Industriegesellschsft hat kein Ziel, das über diese Industrie-Gesellschaft hinaus reicht)

Der gesamte, an Kapitalverwertung ausgerichtete Produktionsprozess ist darauf angelegt Taschwerte, also Warenberge zu erzeugen und damit monetären, äußeren „Reichtum“ zu schaffen.
Der Mensch als lebendiges Wesen wird darin, in dieser Wirtschaftsform um den ihm gegebenen Verstand und seine Lebendigkeit gebracht und betrogen und er-lebt darin immer weniger seinen Möglichkeiten entspechend und verkümmert eher daran, gleich wie die an diese Überproduktion ausgelieferte Mit-Welt, die er in dieser einseitigen, zerstörerischen Lebensart mit-zerstört und verkümmern lässt.
( Das ist überall zu sehen: Krankheiten und Beschwerden wachsen immens an und nur selten wird geschaut, ob es nicht die aktuellen Lebensverhältnisse sind, in denen der Mensch sich als Ding reproduzieren muss, die genau die Ursache für dieses krank-machende Unwohlsein in der gegenwärtigen, westlich ausgerichteten Gesellschaft ohne Gemeinschaft, sind)

Der Mensch sollte daher wieder selbstbestimmt tätig werden, einen Sinn in seiner Tätigkeit erkennen und suchen dürfen und er/sie/es darin seine grundsätzlich einfach, unaufwendig zu befriedigenden Grund-Bedürfnisse erkennen. Bedürfnisse, die eine andere, einfacher und Art-gerechter, organisierte Kultur relativ leicht befriedigen könnte, besonders auf der Höhe der aktuellen techinschen Mittel , die nur unterschwellig zu einem befreiteren Leben der gesamten Masse der Weltbevölkerung beitragen.
Eine planbare, recht einfach strukturierte Wirtschaftsform könnte anstlle der gängigen Verwertungspraxis errichtet werden, die allen daran beteiligten Menschen Mittel und Werkzeuge in die Hand und zur Verfügung stellen würde und ihnen dadurch erlauben könnte, an dieser Welt, in profund und darin anerkannt demokratischer Mitbestimmung, mit zu-arbeiten. Sämtliche entwickelten Produktionsmittel sind derzeit so weit fortgeschritten, auch in hundert Jahren der Ausbeutung der Menschen darin, das eine recht einfache, Zweck-dienliche teil-automatisierte Bedürfnis-Befriedigung in human verträglicher Dimension längst darin Problem-los zu leisten wäre.

So lange diese Umbesinnung nicht geschieht, die Warenproduktion nicht an die wirklichen, recht geringen und leicht zu bewältigenden Lebens-Bedürfnissen der Menschen, in ihrer Anerkennung als lebendige Wesen und Teil einer begrenzten  Bosphäre angepasst wird, hilft es kaum, immer wieder auf wesentliche Veränderungen und immer neuen Technikfortschritt in diesem System zu erwarten. Reale Veränderungen die politisch angemahnt werden und überdimensional heilbrimgend inszeniert werden, bestehen aktuell meist nur daraus, bessere Bezahlung, angeblcich optimierte, äußere Arbeitsbedingungen etc. zu fordern. Aber nicht etwa wesentliche, grundsätzliche Veränderungen anzustreben. So wird dementsprechend also das Waren produzierende, kapitalistische Grund-Prinzip der Ausbeutung aller Ressourcen und einer toten Umwandlung dessen in Waren und Produkte nicht verlassen, um diesen Menschen fremden Tauschwert zu erzeugen und der daraus abgeleitete Warenkonsum darin nicht überwunden
.
Sicher ist es schön und wertvoll, sich für die aktuellen Lebensbedürfnisse der Arbeiter und Angestellten und anderer von Systemzwängen ausgebeutete einzusetzen! Aber dies allein genügt heute nicht mehr. Es ist mittlerweile notwendig eine weiterreichende Vision zu vertreten und daran zu arbeiten. Eine die über die Verwertung des Menschen als Produkt und abhängiger Arbeits-Produzent, der einseitig Waren akkumulierenden Gesellschaft hinausreicht! Und allein daran ist ein politische Aktion beteiligten Menschen., die daraus herausführen muss, auszurichten und darin bleibt genügend zu tun, an Aufklärung und Bewußtmachung für alle dara.


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