Deutsche TV Unterhaltung, schön abgehangen, am Stück,
Abends
gegen Achte sind wichtige Termine einzuhalten, Denn bereits die
Großeltern schauten immer pünktlich die Tagesschau um Acht. Dort
wurde einem die Weltlage erklärt, aber nur in kleinen Häppchen und
betont amüsant oder bisweilen auch ernsthaft vorbildlich und starr
haltend wie beängstigend- gravitätisch. Es wurde dort berichtet, wenn etwa eine wichtige
Politikerpersönlichkeit verstorben war.´“Konrad Adenauer ist
heute gestorben“
Doch echte lebendige Hintergründe wurden, damals wie heute,
nicht oder kaum erörtert. Die Fachsprache blieb diffus bis mysteriös,
Reporter und Politiker schienen sich trotzdem irgendwie zu verstehen,
aber für Zuhörer blieb die Sachlage meist völlig unklar und
wiederholt wurde davon kaum etwas, oder erklärt und erläutert.
Es
wurde schnell und zackig gesprochen und dabei vom Blatt abgelesen.
Am
nächsten Abend konnte man/frau/mensch /subjekt sich fragen, ob man
schon, noch oder überhaupt irgendetwas verstanden hatte, doch für
die Reporter und Ansager blieb es das Gleiche. Sie verkündten weiter
tapfer und deklamierten, prognostizierten, mit von ihnen als wichtig
eingeblendeten Kommentaren der Experten unterbrochen, um danach
Politiker oder andere Prominente zu ihrer Meinung zum Zeitgeschehen
zu befragen. Etwas das wiederum kurz bis kaum kommentiert wurde und
dann ging es zurück in das Sendestudio, es folgte zur Beruhigung und
Ablenkung, die Wetterkarte.
Bis heute (05.2013) hat sich daran
an dieser mystifizierenden Vorgehensweise, kaum etwas geändert. Das
wichtige Nachrichten Magazin, das das Tagesgeschehen erklären soll,
ist weit in den Abend vorgerückt, auf den „Sendeplatz“ um 21.45
h oder noch später. Die Studiodekorationen wurden nach und nach dem
ästhetischen, aber recht retrograden, retardierten, ängstlich
konservativen, deutschen Zeitgeschmack angepasst, noch etwas
verhaltener als anderswo im Westen.
Und das nennt sich dazu noch
betont „konservativ“. Wenn auch anderswo zu anderen
Sendeterminen, ebensolche, ähnlich verstaubten Trailer, die oft seit
25 Jahren oder mehr unverändert beibehalten wurden und auf das
Publikum herabrieseln dürfen, mit ähnlich betagter Titelmusik
erscheinen und man/frau sich doch fragt, ob und warum keine neuen,
aktuelleren Vertonungen eingespielt werden dürfen? Und man traut sich daher auch kaum zu denken oder zu fragen, "Warum" - warum an der
Optik nichts verändert werden darf, vor was diese Leute, die das
entscheiden könnten, so fürchterliche Angst haben? Hat der
allseitige gepriesene, angeblich edle und wichtige Sparzwang vor dem
Hintergrund kleinlaut verschwiegener, enorm gesteigerter
Industrieprofite, auch diese Bereiche so „schwer“ getroffen, in
der reichsten Volkswirtschaft Europas, einer Nation von der schon
„Macher“ von Helmut Schmidt, damals 1976 kündete:
"Die
Bundesrepublik ist eine völlig intakte Firma: wir sind eine der
allergesündesten Unternehmungen, die an der Weltwirtschaft beteiligt
sind."
Und
wenn man/frau/mensch/subjekt dann versehentlich die Nachrichten von
vor 25 Jahren anhört und ansieht, bemerkt man fast oder kaum, selbst
im TV einen Unterschied im Vortrag und Duktus, inhaltlich nur
spärlich einen Unterschied. Dies wurde sogar einmal vom ernsthaften
Kabarettisten Pispers spöttelnd angemerkt.
Lange und
langweilige Sendungen wurden also unverändert durchgehalten und
zumeist die ödesten davon, bis zum bitteren Ende gezerrt. Der gealterte "Laus-Bub“
Thomas Gottschalk darf 30 Jahre eine anfangs sicher spassige, jedoch
schnell langweilige, langatmige, dann immer weiter verkommene
„Samstags-Abend -Unterhaltung“ völlig arglos moderieren, ohne
den geringsten kritischen Verstand, dessen Abwesenheit er sich zuerst
indirekt und später auch offen rühmte. Und später, danach gab man sich „offiziell“
höchst verwundert und pikiert, das er sich kaum über die Runden einer kleinen,
gemütlichen Talk-Show mit etwas Substanz rettete, hatte man ihn so sehr
missverstanden, all die Jahre vorher?
Ist das so üblich, in einem Land in
dem nur „Leistung“ und effiziente Mitarbeit und das Festhalten an
überkommenen, steif beibehaltenen, zwanghaft weiter beförderten,
ausweglosen Ritualen wirklich für bare Münze „zählt“? Und vor
allem zählt dabei auch und vor allem nur das Geld, was man dabei
verschmitzt verdienen kann und mit dem man großspurig und kleinlaut,
gönnerhaft wie der „liebe Onkel“ jongliert.
So wie es Harald
Schmidt immer wieder gerne und überaus listig vorführte. Wenn er
etwa Zuschauern im Studio, die irgendetwas Belangloses „richtig“
beantworten hatten, gönnerhaft aus der Hosentasche heraus, 100 oder
200 Mark spendierte, „da nimm es du Looser“ oder wenn er verschmitzt
lächelnd, sich eine Flasche „Chateau Mouton Rothschild“ besorgt
hatte (auf Firmenkosten sicher, steuerlich absetzbar, die
Mehrwertsteuer durfte er dabei einbehalten und anderswo geltend zu
machen, worauf er als schwäbischer Geschäftsmann und
KirchenOrgelspieler sicher nicht verzichten wollte, ..)
Und dann noch später, nach der Werbepause, wie er sich vor laufender Kamera ein Glas davon genüsslich
einschenkte, um uns zu beweisen, das dieser Wein und überhaupt Wein
trinken heute nichts besonderes mehr sei, für ihn zumindest, den
Kenner und strategischen Nutznießer eigener, gesicherter Produktionen
mit Festplatz im Programmschema.
Oder wie er irgendwann
danach, mit seinem Jaguar unter irgendeinem billigen Vorwand ins Studio
gefahren kam und sich darauf von seinem Co-Partner (Oliver Pocher
damals) aus dem Studio chauffieren ließ und von der Rückbank dem
Publikum huldvoll zulächelte. Da seht her, ihr habt das alles
bezahlt, das Geld habe ich sicher in allerlei Statusinsignien
angelegt, …!
Gottschalk verließ sein „Supershow“ kurz
bevor sie implodieren musste und sein Nachfolger sollte dann die
Scherben zusammen kehren, immerhin hat man ihn sicher fürstlich
bezahlt, um diese riskante, daher nicht bei vielen beliebte Dauer-Nummer
zu übernehmen. Aber da nur Geld allein wirklich zählt in diesem
Land, Kultur ist ein Fremdwort und wird zumeist ignoriert, sind
Anstand und Dezenz ebenso Fremdworte und man nimmt das Geld einfach
mit, das was andere Sendeanstalten und hoch öffentlich
subventionierte Anstalten so großzügig zum Fenster heraus befördert
haben.
Deutsche Fernsehshows haben inzwischen ein
Verfallsdatum, das sich rapide beschleunigt hat, so das
man/frau/mensch heute schon, nur ein paar Tagen nach Sendetermin, ein
komisches Gefühl bekommt (oder schon während der Sendung), diese
ansieht als seien sie bereits ein Relikt, aus weit entfernten,
vergangenen Zeiten, aus einer Epoche in der alle noch ernsthaft an
etwas glaubten, ...wie lange gab es sie, die riskante und gewagte
Fernsehshow „Wünsch Dir Was“ mit Vivi Bach und Dietmar
Schönherr, dem einzigen deutsch-sprachigen SF Kommandanten?